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Deepfakes, Belästigung & Femizide

  • Autorenbild: Jan Honegger
    Jan Honegger
  • 23. Apr.
  • 2 Min. Lesezeit

Normalerweise schreibe ich über den Pflegeberuf. Aber es gibt Themen, bei denen Schweigen keine Option ist. Genau über so eines möchte ich heute schreiben: über sexualisierte Gewalt gegen Frauen, über Belästigung im Netz, im Alltag und im Berufsleben, über Täter-Opfer-Umkehr und über den lückenhaften Schutz für Betroffene in der Schweiz. Gerade als Mann in einem Frauenberuf fühle ich mich verpflichtet mich zu äussern. Denn die jüngsten Berichte über Deepfake-Pornos von Influencerinnen und die Reaktionen darauf in den sozialen Medien haben einmal mehr gezeigt, wie tief dieses Problem sitzt.


Mich macht es wütend, wie selbstverständlich Frauen noch immer sexualisiert, bewertet und entwürdigt werden. Wegen ihres Aussehens, ihrer Kleidung, ihrer Ausstrahlung oder ihres Berufs. Noch schlimmer ist, wie schnell dann behauptet wird, sie seien selber schuld, wenn sie sich „so präsentieren“. Genau das ist Täter-Opfer-Umkehr. Statt endlich klar über die Täter zu sprechen, wird wieder an Frauen herumanalysiert, relativiert und moralisiert. Dabei ist die Sache eigentlich brutal einfach: Es gibt keinen Grund, Grenzen zu überschreiten. Keinen. Weder online noch offline. Weder anonym hinter einem Profil noch im echten Leben.


Dazu kommt eine Doppelmoral, welche man kaum erträgt. Frauen werden kritisiert, wenn sie selbstbestimmt leben, Spass haben oder sich zeigen, wie sie wollen. Gleichzeitig werden Männer dafür gefeiert, wenn sie möglichst viele Frauen „abschleppen“. Genau diese Haltung ist Teil des Problems. Nicht weibliche Freiheit ist das Problem, sondern männliche Grenzüberschreitung und eine Gesellschaft, die dafür noch immer zu viele Ausreden liefert.


Gewalt gegen Frauen ist in der Schweiz kein Randthema, sondern Realität. Durchschnittlich wird hier alle zwei Wochen eine Frau getötet, meist von einem Mann aus ihrem nahen Umfeld. Und trotzdem wird noch immer verharmlost, relativiert oder weggeschaut. Die Scham muss endlich die Seite wechseln: Nicht die Betroffenen müssen sich schämen, sondern die Täter.


Und genau deshalb reicht es nicht, nur betroffen zu reagieren, wenn wieder ein Fall Schlagzeilen macht. Wer es ernst meint, muss auch über Schutz und Strukturen sprechen. In der Schweiz gibt es zu wenig Frauenhäuser und zu wenig Schutzplätze für Betroffene. Im Kanton Thurgau gibt es bis heute nicht einmal ein eigenes Frauenhaus. Auch das zeigt, wie lückenhaft der Schutz in diesem Land noch immer ist.


Auch ungefragte Intimbilder, sexualisierte Nachrichten und digitale Belästigung sind keine Lappalien, sondern Grenzverletzungen und Straftaten. Solche Vorfälle müssen ernst genommen, dokumentiert, gemeldet und konsequent verfolgt werden. Und solange wir noch immer mehr darüber diskutieren, wie Frauen auftreten, als darüber, weshalb Männer glauben, sie dürften Grenzen überschreiten, läuft in dieser Gesellschaft ganz grundsätzlich etwas schief.




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