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Care-Streik 2027 – Warum es unbequem werden muss

  • Autorenbild: Jan Honegger
    Jan Honegger
  • 30. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 30. Jan.

Mein letzter Post war provokant. Absichtlich.

Nicht, um zu schockieren, sondern um ehrlich zu sein. Die Reaktionen haben es bestätigt: Der Frust sitzt tief. Unzählige Pflegende haben mir geschrieben. Menschen, die am Limit sind. Die keine Kraft mehr haben. Die überlegen auszusteigen, oder es bereits getan haben. Aus freien Stücken oder krankheitsbedingt. Das ist kein persönliches Versagen. Das ist ein strukturelles Problem.


Ich liebe die Pflege. Sonst wäre ich längst weg.

Genau deshalb spreche ich das aus. Die Rahmenbedingungen verschlechtern sich rasant. Wir machen unseren Nachbarländern Konkurrenz, aber nicht bei Qualität, sondern beim Abbau von Arbeitsbedingungen. Und das Tempo ist erschreckend.


Was mir zunehmend auf die Nerven geht: die Opferrolle. Ja, sie ist verständlich. Aber sie macht uns handlungsunfähig. Wir reden uns ein, keine Wahl zu haben. Doch genau das ist die bequemste Lüge des Systems. Uns rettet niemand. Kein Arbeitgeber. Keine Politik.


Veränderung beginnt dort, wo wir aufhören, uns selbst zu opfern.


• Krank ist krank.

• Frei ist frei.

• „Nein“ ist ein vollständiger Satz.


Einspringen bei chronischem Personalmangel ist keine Loyalität, sondern aktive Systemstütze. Wer ständig einspringt und danach jammert, stabilisiert genau das System, welches man kritisiert.


Prioritäten setzen heisst auch, Grenzen zu akzeptieren. Wenn am Feierabend noch Chaos herrscht oder Dokumentation liegen bleibt, bleibt man nur, wenn man will. Sonst geht man pünktlich. Fehlende Abrechnung ist nicht unser Problem, solange die Pflege korrekt geleistet wurde. Verantwortung endet nicht dort, wo wir uns selbst zerstören. Überlastung muss intern dokumentiert und gemeldet werden, auch zur eigenen rechtlichen Absicherung.


Und jetzt der Teil, der konsequent verdrängt wird:

Pflege ohne Organisation ist machtlos.

Wer nicht im Berufsverband oder in der Gewerkschaft ist, verzichtet freiwillig auf Einfluss. Einzelkämpfer werden ignoriert. Organisierte Gruppen nicht. Solidarität ist kein romantischer Begriff, sondern ein Machtfaktor.


Pflege ist politisch. Ob wir wollen oder nicht.

Die Politiker, die wir wählen, entscheiden über unsere Arbeitsrealität. Wer Versprechen bricht, gehört abgewählt. Loyalität gegenüber Parteien ist fehl am Platz, wenn sie auf dem Rücken der Pflegenden ausgetragen wird.


2027 ist ein überregionaler Care-Streik geplant. Alle Care-Berufe. Das wird unbequem. Genau deshalb ist er notwendig. Andere Länder haben gezeigt, dass Streiks wirken. Veränderung passiert nicht leise, nicht höflich und nicht ohne Widerstand.


Keine Ausreden mehr.

Nicht "zu müde".

Nicht „zu viel Verantwortung“.

Wer dieses kaputte System weiter am Laufen hält, verlängert nur den Schaden. Für sich selbst, für Kolleg*innen und für die Menschen, die wir eigentlich schützen wollen.



2 Kommentare

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Gast
30. Jan.
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Ich stimme vollkommen zu.

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Jenni
30. Jan.
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Dein Beitrag bestärkt mich darin, für bessere Rahmenbedingungen einzustehen. Wenn wir zusammenhalten, können wir echte Veränderungen erreichen. #CareStreikMussSein#

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