Erst Beileid. Dann Kürzungen.
- Jan Honegger
- 12. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Am Freitag dem 09.01.2026 - ausgerechnet am nationalen Trauertag für die Brandopfer von Crans-Montana - hat die SGK-N entschieden, die 2. Umsetzungsetappe der Pflegeinitiative (Arbeitsbedingungen) deutlich zu redimensionieren.
Bittere Ironie: Sie gedenken den Opfern und gleichzeitig werden genau dort Abstriche gemacht, wo es um Schutz, Entlastung und Verbindlichkeit geht.
Was dabei konkret auf dem Spiel steht:
• Keine Senkung der wöchentlichen Höchstarbeitszeit (50 Stunden bleiben).
• Normalarbeitszeit bleibt bei 42 Stunden und soll nicht vom Bundesrat weiter reduziert werden können.
• Zuschläge für Sonn- und Feiertagsarbeit sollen tiefer ausfallen als vorgeschlagen.
• Bereitschaft/Pikett/Überstunden: weniger verbindliche, weniger wirksame Verbesserungen.
• Und besonders stossend: Unter bestimmten Bedingungen soll es sogar möglich sein, zu Ungunsten der Arbeitnehmenden vom Gesetz abzuweichen.
Das ist ein weiterer Schlag ins Gesicht für die Pflegenden und ein weiter steigendes Risiko für Patient:innen, Bewohner:innen und Klient:innen.
2021 hat das Stimmvolk mit 61% Ja gesagt. Nämlich für spürbar bessere Arbeitsbedingungen, damit Pflegende im Beruf bleiben und die Versorgung stabil bleibt. Denn wir stecken schon mittendrin im Pflegenotstand.
Wenn wir wirklich eine sichere Versorgung wollen, brauchen wir verbindliche Standards statt schöne Worte und „Flexibilität“, die am Ende oft nur eins bedeutet: mehr Druck auf dem Personal.
Mir ist völlig klar: Diese Massnahmen kosten Geld. Aber die Rechnung geht trotzdem nicht auf, wenn man sie wegspart. Gute Arbeitsbedingungen sind kein „Nice to have“, sondern eine Investition in Patientensicherheit und Versorgungsqualität.
Dort, wo der Personalschlüssel stimmt und Menschen nicht permanent über ihre Grenzen arbeiten, sinken Fehler, Komplikationen und vermeidbare Eskalationen und genau das spart am Ende Kosten: weniger Stürze, weniger Druckstellen, weniger Infektionen, weniger Medikationsfehler, weniger Rehospitalisationen. Dazu kommt: weniger Ausfälle, weniger Fluktuation, weniger teure Temporäreinsätze und weniger Einarbeitungsverschleiss.




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