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Zeit, Abschied zu nehmen

  • Autorenbild: Jan Honegger
    Jan Honegger
  • vor 3 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Nach fünf Jahren Alter und Pflege Stadt Winterthur verlasse ich den Betrieb. Obwohl ich mich sehr auf meine neue Aufgabe freue, fällt mir dieser Abschied alles andere als leicht.


Vor fünf Jahren wurde ich von meinem Team auf der WG4 sehr herzlich aufgenommen. Aus Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen wurden vertraute Menschen, auf die ich mich verlassen konnte. Über lange Zeit waren wir ein starkes, eingespieltes Stammteam mit sehr wenig Fluktuation.


Wir kannten unsere Stärken und Schwächen, wussten, wann jemand Unterstützung brauchte, und standen füreinander ein. Für mich waren wir eines der stärksten Teams im Haus.


Wir haben viel miteinander gelacht, schöne und manchmal völlig verrückte Momente erlebt und auch ausserhalb der Arbeit Zeit miteinander verbracht. Gleichzeitig arbeiteten wir professionell, verantwortungsbewusst und menschlich.


Im Mittelpunkt standen für uns immer die Bewohnenden. Wir wollten ihnen nicht nur fachlich gute Pflege bieten, sondern ihnen mit Respekt, Humor, Ehrlichkeit und Menschlichkeit begegnen. Gerade in der Langzeitpflege entstehen Beziehungen, die weit über einzelne pflegerische Handlungen hinausgehen.


In den vergangenen Jahren hat sich vieles verändert. Besonders in den letzten Monaten gab es personelle Wechsel und Herausforderungen. Veränderungen können schmerzhaft sein und Unsicherheit auslösen, aber auch neue Chancen eröffnen.


Während meiner Zeit im Betrieb habe ich immer wieder versucht, mich für bessere Arbeitsbedingungen und die Anliegen der Mitarbeitenden einzusetzen. Dieser Weg war nicht immer einfach und hat mich teilweise viel Energie gekostet. Dabei habe ich geschätzt, dass eine offene Feedbackkultur möglich war und kritische Rückmeldungen nicht nur zugelassen, sondern auch ernst genommen wurden.


Gerade deshalb bin ich überzeugt, dass es wichtig ist, Missstände anzusprechen, unbequeme Fragen zu stellen und sich nicht damit abzufinden, wenn etwas langfristig nicht funktioniert. Gute Pflegebedingungen sind keine Nebensache, sondern eine Voraussetzung dafür, dass Mitarbeitende gesund bleiben und Bewohnende die Pflege erhalten, die sie verdienen.


Auch wenn sich nicht alles verändern liess, konnten wir einige Erfolge erreichen. Vor allem habe ich gespürt, dass mein Einsatz gesehen und wertgeschätzt wurde. Besonders berührt hat mich diesbezüglich der Abschiedsbrief meines Teams. Ich habe noch nie einen so persönlichen und wertschätzenden Abschiedsbrief erhalten.


Nun freue ich mich auf das, was vor mir liegt. Mit meinem Wechsel in die Psychiatrie Rheinau beginnt eine neue berufliche Herausforderung. Nach 15 Jahren Langzeitpflege verlasse ich einen Bereich, der mich fachlich und menschlich enorm geprägt hat. Nun ist es Zeit für eine neue Herausforderung.


Danke für euer Vertrauen, euren Humor, eure Ehrlichkeit, eure Unterstützung und die gemeinsamen Jahre. Ich werde diese Zeit nie vergessen!



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